Bobfahren am Bodensee? – Geht nicht! Aber wir haben uns gedacht, das machen wir trotzdem. Wir, vier Läufer vom TV Konstanz, bewarben uns beim Red Bull Bob Heroes Rennen und wurden prompt genommen. Dann hies es planen und bauen, denn der Bob, mit dem wir uns auf die historischen Bobbahn von Garmisch-Partenkirchen wagen sollten, musste selbst gebaut werden. Er sollte zudem im Stil eines Schlittens aus den 20er bis 50er-Jahren sein. Leider ist Literatur dazu nur spärlich vorhanden. Sucht man im Internet nach historischen Bobschlitten, so findet man häufig Bilder und Artikel von Unfällen oder Teilnehmerlisten. Wie man ein solches Gefährt baut findet man so gut wie gar nicht.

Bodensee Bobbies

Zudem brauchten wir einen Namen. Der war schnell gefunden. Die Bodensee Bobbies. Nächte und Wochenenden verbrachten wir in der Werkstatt, bis dann der Bob für das Red Bull Bob Heroes Rennen fertig war. Naja, ob es dann ein Bob oder eine Seifenkiste mit Kufen wurde, wollten wir nicht beurteilen, aber zumindest hatte er klassische Akzente. Unser Hotrod-Schlitten war bereit für seine erste Fahrt. Die sollte erst am Vortag des Rennens auf der historischen Bobbahn in Garmisch-Partenkirchen stattfinden.

Einzige Naturbobbahn Deutschlands

Nach der Startnummernverlosung konnten wir am Vorabend des ersten trainings noch einmal ein gemütlichen Teil mit den anderen Teams über die einzelnen Konstruktionen der Bobs sprechen und es stellte sich heraus, dass jedes der Teams seinen ganz eigenen Ansatz hatte.

Am Samstag Morgen stand dann das erste Training auf dem Plan. Die Leute vom SC Riessersee hatten perfekte Arbeit geleistet und eine gut präparierte Naturbahn aufgebaut. Die Bahn ist in ihrer Art einzigartig, verfügt lediglich über natürliche Kurven und hat auch keine Kühlung. So ist man ständig darauf angewiesen, dass es über einen längeren Zeitraum kalt ist, um die Bahn zu präparieren. Erst seit 2013 wird die historische Bobbahn wieder zum Bobfahren hergerichtet, vorher weilte sie in einem fast 50-jährigen Dornröschenschlaf. Die über 100 Jahre alte Bobbahn hat viele spannende Geschichten zu erzählen. So war sie 1936 Schauplatz der Olympischen Spiele und zählte zu einer der schwierigsten Bahnen. Highlight der Strecke ist noch immer die Bayernkurve. Die 180 Grad Kurve beeindruckt. Es kommt einen vor, als rase man direkt auf eine Wand zu. Hier gab es auch immer wieder in der Vergangenheit schwere Unfälle. Doch inzwischen wurde die Strecke entschärft und so fahren die historischen Bobs mit viel geringerer Geschwindigkeit in diese Steilkurve.

5 aus 14

Als erstes Team wurde der Bob von Peter Hinz auf die Strecke geschickt. Der erfahrene Bobpilot glitt elegant durch die holprige Bahn. Was danach kam lies den einen oder anderen Verantwortlichen dann doch ins Schwitzen kommen. Die nächsten drei Schlitten schafften es nicht bis zur legendären Bayernkurve, sonder verabschiedeten sich schon vorher. Achsbrüche, Lenkungsschäden und andere Mängel hinderten die Bobs das Ziel zu erreichen und so war das Training zum Red Bull Bob Heroes Rennen bereits nach wenigen Metern vorbei.

Nachdem wieder ein paar Bobs die gesamte Strecke absolvierten machten sich auch die Bodensee Bobbies bereit. Das Team vor uns startete und wir schoben unseren Schlitten zur Startlinie. Doch dann wurde das Training unterbrochen. Das Team vor uns hatte die Bayernkurve nicht richtig genommen und schoss geradeaus über die Kurve. Zum Glück ist niemanden etwas passiert, doch die Kurve musste wieder hergerichtet werden.

Unser erster Ritt über die historische Bobbahn in Garmisch gelang uns danach recht gut. Zwar steuerten wir die Bayernkurve etwas zu hoch an und wurde so wieder aufgrund der fehlenden Geschwindigkeit wieder nach unten gedrückt, ins Ziel kamen wir aber recht gut.

Der zweite Trainingslauf war dann schon recht ausgedünnt, denn viele der Schlitten waren zu dieser Zeit nicht mehr fahrtauglich. Auch in diesem Lauf, wir hatten den Lenker getauscht, absolvierten wir eine ordentliche Fahrt. Und so stand unser Schlitten am Abend recht einsam mit vier weiteren Bobs am Start.

Sägen, flexen, schweissen

Während wir die Nachmittagssonne auf der Terrasse des Holzes geniessen konnten, machten sich andere Teams an die Arbeit, ihren Schlitten für das Red Bull Bob Heroes Rennen am kommenden Tag wieder fahrtauglich zu machen. Das Hotel stellte dazu die Garage zur Verfügung, wo dann auch eifrig gearbeitet wurde. Stellenweise wurde neue Kufen geliefert, zusätzliche Winkel angeschweisst oder sogar komplette Lenkungen neu konstruiert, damit der Bob am Renntag auch gut zu fahren ist. Gegen Mitternacht waren dann tatsächlich wieder alle Bobs für das Red Bull Bob Heroes Rennen fertig.

It’s Raceday

Der Morgen begrüßte uns dann wieder mit stahlblauen Himmel. Perfektes Wetter für das Rennen. Alle Schlitten, die b ein Training nicht die komplette Strecke schafften, durften am Morgen noch einmal über die neu präparierte Bahn fahren. In der Nacht hatte man den Schnee aus der Zielgeraden genommen und so konnten die Schlitten noch einmal richtig Geschwindigkeit aufnehmen. Das Training verlief vielversprechend. Heute gingen alle Teams dann auch mit etwas Demut auf die Bahn und so kamen alle heil im Ziel an.

Zuschaueransturm im Fahrerlager

So langsam begann das Kribbeln. Die Fahrerlager füllte sich mit interessierten Zuschauern, ehemaligen Bobpiloten und  Fotografen und Presseleuten. Die Fahrer standen Rede und Antwort zu ihren Gefährten und warum sie sich diese Bahn hinunter stürzen wollten.

Dann ging es endlich los. Um 12:30Uhr wurde der erste Bob an die Startlinie geschoben. Inzwischen hat sich die Strecke mit Zuschauern gefüllt. 2.500 Zuschauer haben sich auf dem Weg zum Riessersee gemacht, um dem Red Bull Bob Heroes Rennen dabei zu sein. Viele versammelten sich dann auch an der legendären Bayernkurve, um in der Steilkurve die Schlitten genau zu sehen.

Die Favoriten vom Bobteam Fürth Odenwald um Peter Hinz und Peer Joechel waren nicht zu schlagen, aber die Bodensee Bobbies schlugen sich mit einem guten achten Platz beachtlich gut. Nach einer Sicherheitsfahrt im ersten Durchgang wollte man beim zweiten Lauf noch einmal richtig Gas geben, doch in der Kreuzeckkurve trieb es dem Bob zu weit nach oben , sodass das Team stürzte. Ohne die Chance auf eine weitere gute Zeit konnte man aber den Lauf fortsetzen.

Das Ergebnis

  1. Bobteam Fürth Odenwald, Rimbach – 00:58,85
  2. Race Project, Sulzemoos – 01:08,54
  3. Hoagatbuam, Ohlstadt – 01:09,12
  4. Werdenfels 1, Garmisch-Partenkirchen – 01:10,03
  5. 3 im weckla!, Wendelstein – 01:14,84
  6. Talente Eferding, Eferding (AUT) – 01:16,63
  7. Die drei schnellen vier, Mühlheim an der Ruhr – 01:18,19
  8. Bodensee Bobbies, Konstanz – 01:22,41
  9. Team Hinterbaindtle, Ulm – 01:23,10
  10. Cool Runnings, Garmisch-Partenkirchen – 01:40,18
  11. Die Bobtastischen, Heilsbronn – 01:47,03
  12. Flotter-Dreier, Altenbeuern – 03:54,47
  13. BRACHIAL 1, Ossingen (CH) – DNF
  14. Sitting Bull’s, Augsburg – DNF

Jetzt heisst es aus den Erfahrungen vom Wochenende den Schlitten für den nächsten Wettbewerb zu modifizieren.

Bilder: Emanuel Nöhmeier, Red Bull, Agency67, Foto Beck

Video: Red Bull/Smaragd Media

Dachstein-logo

Herzlichen Dank an die Firma Dachstein für die traditionellen Bergschuhe.

 

Carsten

Carsten

Carsten Reichel ist passionierter Trailrunner. Seit mehreren Jahren hat er die Straßenschuhe gegen Trailrunningschuhe getauscht. Inzwischen sind es lange Distanzen oder Mehrtages-Rennen, wo Carsten Reichel anzutreffen ist. Carsten läuft für das Thoni Mara Team.

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