Der Swiss Irontrail behauptet von sich selbst der härteste Trail in den Alpen zu sein. mit seinem Claim – Beyond The Limit – trifft er genau das. Strecken von 21 bis über 200 Kilometer verlangen von den Läufern alles ab. Dabei sind es nicht unbedingt die Streckenlängen und die zu absolvierenden Höhenmeter. Es sind die Rampen, die es fast senkrecht nach oben und auch wieder nach unten geht und so den Läufern die Energie regelrecht aus den Beinen saugt.

Zum dritten mal stand dieses Jahr der Irontrail im Rennkalender. 2012 musste der Lauf nach mehreren Unterbrechungen abgebrochen werden, da das schlechte Wetter einen sicheren Ablauf nicht gewähren konnte. Im vergangenen Jahr dann konnte das Rennen regulär ablaufen, man merkte aber, dass die Strecke sehr viele organisatorische Hürden bereit hält. Und so gab es dieses Jahr zum ersten mal einen Rundkurs mit Start und Ziel in Davos.

800 Starter

Als am Donnerstag 157 Trailrunner in Davos an den Start gingen, waren die Wetteraussichten für den extrem schweren Rundkurs nicht gerade erfolgsversprechend. Kälte und Regen sollten das Rennen bestimmen und so war es natürlich Klasse, dass zum Start sich die Sonne zeigte und auch die erste Nacht Sternenklar war. Doch schon 24 Stunden später wird es kalt und Regen setzt sein. Stellenweise gibt es sogar Schnee. Eine zusätzliche Herausforderung für die Läufer. 65 Stunden nach dem Start erreichen dann die letzten Läufer das Ziel in Davos. 87 haben bereits vorzeitig das Rennen beendet.

Die Trailfamilie trifft man überall

Es ist schon erstaunlich wie klein die Trailrunning-Familie ist. Beim Start des T81 treffe ich Uwe, der im vergangenen Jahr ebenfalls beim Transalpine Run unterwegs war. Und einem Kilometer nach dem Start auch noch Klaus. Trailrunning ist wie die zweite Familie und so behandeln sich auch die Läufer untereinander. Hilfsbereit, nett und den Anderen immer Unterstützend und Motivierend zur Seite.

Auch auf der Königsstrecke, dem T201 sind einige Transalpine-Run-Finisher dabei auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Und die gibt es hier zuhauf. Beim Start des T81 geht es sehr Familiär zu. Ebenfalls 157 Starter stehen an der Linie und keiner traut sich so richtig in die erste Reihe zu stellen.

Auf den ersten Kilometern wird ein paar Kilometer flach angelaufen, ehe die ersten Rampen auf die Trailrunner warten. doch noch immer ist das Terrain gut laufbar. Das Tempo ist angenehm und die Sonne begleitet die Läufer auf den ersten Kilometern. Als  uns plötzlich Läufer entgegen kommen wird die Gruppe nervös. Wir haben uns fast einen Kilometer verlaufen. Nun heisst es zurück zur letzten Auszeichnung der Strecke. Und in der Tat. Nach einer Brücke ging es fast unscheinbar links über eine Wiese direkt nach oben. Nun ist das Feld wieder zusammen, ärgerlich. Dafür beginnt nun ein wunderschöner Trail. Wiesen, Gebirgsbäche und enge Trails bestimmen den Ausstieg.

An der Furschela da Colm treffen wir auf den Rundkurs, wo die Läufer des T141 und T201 unterwegs sind. Von hier an verläuft dann die Strecke identisch. Es geht nun auf der anderen Bergflanke wieder zurück nach Savognin. Die Wege verlaufen durch den Wald und sind recht anspruchsvoll. Wurzeln, Steine und rutschiger Untergrund machen machen den Lauf bereits hier zu einer Herausforderung. Die letzten Meter hinein nach Savognin beginnt es nun stärker zu Regnen. Die Regenjacke wird nun zur Dauerausrüstung.

Schlechtes Wetter gibt es nicht – nur ganz schlechtes

Am Ausgangspunkt anglommen gilt es sich kurz zu stärken. Es ist toll, dass nahezu alle Verpflegungsstellen innen sind, sodass man sich entspannt setzen und gegebenenfalls wieder aufwärmen kann. Es kommt nun auch wieder die Sonne raus, als es weiter nach Tiefencastell geht. Der Ort war lange Jahre Zielort des Swissalpine C42 und ist auch der tiefste Punkt des Rennens auf 851 Meter. Das kurze Asphaltstück wird schnell wieder von Wiesen- und Waldtrails abgelöst. Durch den Regen der vergangenen Tage sind diese aber Schwer und rutschig. Als ich in Tiefencastell ankomme, bin ich ziemlich alleine an der Verpflegung. das Feld hat sich extrem auseinander gezogen.

Jetzt beginnt das Rennen erst richtig. Denn die folgenden Kilometer gehen stetig bergauf über Lain und Sporz nach Lenzerheide bis auf über 1.400 Höhe. Stellenweise sind die Wege einfach nur in die Wiese getrampelt, Manchmal geht es über Fahrwege. Genau das richtige für das Trailrunnerherz.

In Lenzerheide wird sich noch einmal gestärkt. Klamotten gewechselt und Stirnlampe bereitgehalten, denn es fängt langsam an zu dämmern, als es steil nach oben geht Richtung Weisshorn. Mit der Nacht kommt auch der Nebel und es wird zur Herausforderung für alle Läufer, die Strecke noch einigermaßen zu sehen. An Rennen ist nicht zu denken. Selbst auf den flachen Abschnitten müssen wir gehen, da man kaum die Hand vor dem Gesicht sehen kann. Frank, der 50 Meter vor mir läuft ist nicht zu sehen. Wir tasten uns von Markierung zu Markierung. Zeit wird in diesem Moment relativ.

Hochalpines Gelände

Als ich etwas Licht erkennen kann sind wir an einer Liftstation angekommen. Nun geht es Hochalpin über Skipisten weiter. Immer wieder kommt ein kurzer steiler Anstieg ehe es mal ein Stück geradeaus geht. Plötzlich tauchen lichter vor mir auf. Drei oder vier. Die Wolken liegen uns nun zu Füßen. In der Ferne sehe ich den Gipfel des Rothorns, die erste Spitze die heute auf über 2.600 Meter zu bewältigen ist. Leider mag der Weg (welcher Weg?) nicht aufhören sich nach oben zu winden. Geröll, Matsch und nahezu auf dem direkten Weg geht es hinauf. Die Läufer vor mir scheinen auch mit dem Berg zu kämpfen. denn Sie kommen nicht wirklich schneller voran.

Nachdem ich oben angekommen bin, verläuft der Weg wieder nach unten. Auf den ersten Metern kann man sogar mal wieder etwas Gas geben, doch wir laufen wieder direkt in die nächste Wolkenwand. Nun beginnt es auch noch zu schneien. Also schau ich, dass ich Richtung Hütte komme. Schnell mit einer Tomatensuppe stärken. Frank und Eric kommen gerade rein. Wir beschliessen das Rennen gemeinsam fortzusetzen. Es schein uns besser gemeinsam das Weisshorn zu bezwingen, als auf eigene Faust.

Es geht zuerst breit auf der Skipiste nach unten, als uns ein Pfeil nach links auf einen Monstertrail leitet. Schon wieder geradeaus nach oben. Steile Stufen und rutschiger Untergrund. Ab und an geht es mal etwas flacher entlang und wir laufen wieder. Lange können wir das Tempo aber nicht halten, denn plötzlich taucht vor uns eine schwarze Wand auf. Das Weisshorn. Es geht nun noch einmal direkt nach oben Direkt neben einem Schneefangzaun verläuft der Weg. Mannshohe Stufen, Kühe auf dem Weg, die Strecke wird nicht einfacher. Doch dann haben wir es geschafft. Das Dach des Irontrails ist erreicht und nun geht es hinunter nach Arosa.

Direkt auf der Skipiste laufen wir in den Ort am Talschluss. Von oben kann man Davos schon sehen, jedoch trennt uns noch ein Berg vom ersehnten Ziel. Unterwegs kommt mir ein umherirrender Läufer entgegen. Er hat sich wohl verlaufen und nun sind wir zu viert unterwegs zur nächsten Verpflegung, die wir mitten in der Nacht erreichen. Man sagt uns, für die folgenden 17 Kilometer brauchen wir noch vier Stunden. Also noch einmal alle Energie gesammelt und weiter gehts zu Strelapass. Der liegt zwar nur auf 2.300 Meter, nach 80 Kilometern ist das aber auch mehr als anstrengend.

Einsames Finish auf dem Parkplatz

Noch einmal ein letzter Downhill, als es wir durch einen kleinen Park in Davos ankommen. Kopfsteinpflaster leitet uns den Weg zur Promenade, wo das Ziel auf einem Parkplatz aufgebaut ist. Menschenleer ist Davos am morgen. Es wird bald Dämmern. Der Irontrail ist bezwungen. Das härteste Rennen, das man derzeit in den Alpen laufen kann. Und das gilt auch für die kürzeren Distanzen.

Denise Zimmermann gewinnt den T201 noch vor dem ersten Mann. Die Läufer sind auf allen Strecken extrem auseinander gezogen. Stellenweise liegen Stunden zwischen den Platzierten. Morgens um 9Uhr sind gerade einmal 60 Läufer von den drei Strecken angekommen. Es werden mehr als 40% das Rennen nicht beenden.

T201

Männer:
1. Thomas Ernst (Winterthur) 38:54:15.
2. Marcel Knaus (FL-Ruggell) 25:52 zurück.
3. Chad Lasaster (UAE-Abu Dhabi) 2:19:06.
4. Roman Brüschweiler (Romanshorn) 6:07:25.
5. Matthias Lehmann (Les Diablerets) 6:44:14.
6. Reto Steenaerts (Römerswil LU) 7:11:23.
7. Karl Alpiger (Grüt/Gossau ZH) 7:46:10.
8. Neil Bryant (F-Argentiere) 8:03:10.
9. Adrian Willi (Lantsch/Lenz) 10:41:56.
10. Adrian Bachmann (Wetzikon ZH) 11:06:11.
Frauen:
1. Denise Zimmermann (Mels) 38:15:54.
2. Marta Poretti (I-Busto Arsizio) 8:43:06.
3. Jeanette Dalcolmo (Klosters) 11:41:08.
4. Katja Fink (SIN-Singapore) 13:46:14.
5. Maya Yoshimura (J-Chiba-shi) 19:42:33.

Ergebnisse T141

Männer:
1. Marco Gazzola (Claro) 22:33:18.
2. Florian Grasel (A-Erlach) 2:00:01.
3. Frank Maier (D-Aichwald) 8:34:49.
4. Stefano Degli Innocenti (I-Genova) 10:29:43.
5. Wiktor Banachewicz (A-Innsbruck) 11:11:00.
Frauen:
1. Arianna Regis (Claro) 30:00:34.
2. Jeanette Odermatt (Siebnen) 7:27:14.
3. Nicole Pfaue (D-Remshalden) 7:27:19.

Ergebnisse T81

Männer:
1. Jay Aldous (I-Roma) 12:29:20.
2. Alister Bignell (F-Servoz) 15:38.
3. Andreas Allwang (München) und Jacques Dehnbostel (DK-Kbenhavn) 37:59.
5. Daniel Berchtold (Unterbäch VS) 48:27.

Frauen:
1. Brigitte Eggerling (Chur) 14:25:01.
2. Anja Hofmann (Ladir) 2:13:54.
3. Kimberly Strom (F-Challex) 3:44:46.

Ergebnisse T41

Männer:
1. Gion-Andrea Bundi (Davos Platz 4:23:39.
2. Marco Wildhaber (Flumserberg) 21:14.
3. Anton Philipp (D-Weitnau) 22:31.
4. Michael Kabicher (A-Hohe Wand) 34:54.
5. Csaba Németh (H-Miskolc) 44:30.
Frauen:
1. Simone Philipp (D-Weitnau) 6:10:54 und Ildikó Wermescher (D-Landsberg am Lech)
3. Natalia Roman (Goldau) 54:03.

Ergebnisse T21

Männer:
1. Martin Guess (USA-Colorado) 2:07:27.
2. Lorenzo Naldi (I-Firenze) 6:31.
3. Andreas Hobi (Sargans) 12:05.
4. Rainer Hauch (Basel) 13:08.
5. Alex Blättler (Speicher) 16:06.
Frauen:
1. Lena Kropf (Rabius) 2:44:59.
2. Brooke Mcmillen (USA-Boulder) 2:22.
3. Nadia Placereani (Sissach) 9:12.

DNF

Auch mich hat es diesmal erwischt. Der Magen machte mir einen Strich durch die Rechnung. Bereits in Lenzerheide war es schwer für mich weiter zu laufen. Doch in Arosa siegte die Vernunft. Auch wenn ich in der Nacht noch sagte, dass ich mir das nicht wieder antue, so habe ich mit dem Irontrail noch eine Rechnung offen und komme zurück, versprochen,

Es ist eine unglaubliche Leistung für alle Finisher, besonders auch für die Läufer des T201. Jeder der sich hier auf den Weg gemacht hat gebührt höchste Anerkennung, egal ob erster oder letzter.

Andrea Tuffli ist hier ein Meisterstück gelungen, das schnell zum Mythos werden könnte. Mammut als Hauptpartner versteht sich auf hochalpines Gelände und zeigt einmal mehr, dass sie in der Trailrunningszene angekommen sind. Wer den echten UTMB-Mythos spüren will, sollte nach Davos kommen und nächstes Jahr den Swiss Irontrail laufen. Ein Trail ganz nach dem Geschmack der Trailrunner. Kernig, hart und „Beyond The Limit!“

 

Carsten

Carsten

Carsten Reichel ist passionierter Trailrunner. Seit mehreren Jahren hat er die Straßenschuhe gegen Trailrunningschuhe getauscht. Inzwischen sind es lange Distanzen oder Mehrtages-Rennen, wo Carsten Reichel anzutreffen ist. Carsten läuft für das Thoni Mara Team.

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