Bunte Dächer in der Mongolei

von | 18. Mai 2018 | Mongolei, Reiseberichte

Von Männern in Unterhosen und Erdbebenspuren bis zum Horizont

Die Dörfer und Städte in der Mongolei, von Ulan Bator, kurz UB (sprich “juhbih”), sind ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte; sie sind bunt! Die Dächer sind grün, blau, rot oder auch mehrfarbig und selten stehen Häuser mit derselben Dachfarbe nebeneinander. Das macht sich natürlich sehr gut in einer Landschaft, die sonst an Teletubbyland erinnert. Die war höchstwahrscheinlich Kulisse für den einen berühmten Windows-Bildschirm. Der mit der grünen Wiese, dem blauen Himmel und den Schäfchenwolken. Ihr kennt den?

Etwa 1.800 km haben wir in 2,5 Wochen zurück gelegt, die wenigsten davon auf geteerten Straßen, manche dennoch sechsspurig, denn wenn die eine Schlaglöcher hat, wird eben daneben eine neue Spur aufgemacht, es gibt ja genug Platz.

Unsere Kollegen in der Mongolei haben alles sehr gut organisiert, wir waren mit zwei Autos (einem japanischen Geländewagen und einem russischen UAZ) unterwegs, Bordunterhaltung gab es mittels Tablet, das den Rückspiegel ersetzt hat. Satellitentelefone haben uns die Fussballresultate geliefert, wenn kein Handy-Empfang war. Überhaupt haben wir “die Mannschaft” von dort aus unterstützt so gut es ging: Das Spiel gegen Frankreich haben wir in einer Jurte (mongolisch: Ger) verfolgt, unsere mongolischen Kollegen haben das für uns organisiert. Etwa ein Kilometer von unserem derzeitigen Camp entfernt gab es zwei Jurten und eine davon hatte Satellitenfernsehen. Die Familie hat uns eingeladen und nach dem obligatorischen Milchtee wurde der Ofen noch mal angeheizt, wir vor den Bildschirm gesetzt und die Familie ist neben uns schlafen gegangen – die Frau lag mit den beiden Kindern in einem Bett und der Mann auf einer Matratze daneben.

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Nach dem Milchtee wurde der Ofen noch mal angeheizt, wir vor den Bildschirm gesetzt und so konnten wir „Die Mannschaft“ perfekt aus der Jurte unterstützen.

Fußball, Airag heiß und kalt

Zum Glück gab es in diesem Spiel nur ein Toooooooor, denn als das fiel, ist das Baby wieder aufgewacht….apropos Milchtee, den kann man gut trinken, wenn er richtig heiss ist, weniger gut, wenn nur noch lauwarm. Es wurde natürlich auch gern Airag angeboten (vergorene Stutenmilch) – eine Delikatesse, wenn man mongolisch sozialisiert wurde. Hierbei ist es übrigens andersrum – kalt kann man Airag tatsächlich trinken (es hilft dabi, nicht hinzugucken und sich vorzustellen, es wäre Cabernet) – von warmem Airag würde ich einfach nur abraten.

Dreikampf in der Mongolei

Während wir versessen darauf waren, die aktuellsten Fußballergebnisse zu bekommen, haben unsere Kollegen wegen unserer Geländearbeiten ihr Nationalfest “Naadam” verpasst, das drei Tage lang im Juli stattfindet. Dabei gibt es Umzüge in traditionellen Kostümen durch die Stadt, das größte Fest findet in UB statt. Hauptanliegen sind aber die Wettkämpfe in den mongolischen Nationalsportarten Ringen, Pferderennen und Bogenschiessen. Die Spiele werden natürlich live übertragen und waren in fast jeder Jurte, aber auch in größeren Orten auf öffentlichen Plätzen auf Leinwänden zu sehen (nur gab es keine Fanmeilen und nur 2-3 Zuschauer). Wann immer wir in der Nähe einer Jurte mal wieder Sediment aus einem Fluß gewaschen haben, haben unsere Kollegen die Gastfreundschaft genossen, um wenigstens ein paar Minuten Sport zu erhaschen. Selbstverständlich wurden sie immer in die Jurten gelassen!

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In der Mongolei wird Naadam mit viel Public Viewing gefeiert … hier gibt es Ringen.

Wir haben aber auch mal ein paar Minuten Ringen auf Leinwand auf einem Marktplatz gesehen. Insgesamt treten 256 Männer in blauen Unterhosen an. In den Zweikämpfen wird nach KO-System gekämpft, bis nur noch einer übrig bleibt und es genügt, den Gegner auf den Boden gebracht zu haben. Und unseren Horizont in Sachen Mongolische Sporthighlights zu erweitern haben wir auch ein paar Minuten Pferderennen auf einem Fernseher in einer seismischen Station verfolgt. Mongolisches Pferderennen geht so: ca. sechsjährige Jungen, die in vollem Galopp querfeldein “fliegen” … immerhin mit Helmen auf den Köpfen.

Erdbeben in der Mongolei

Zu guter Letzt darf dann aber der Hinweis auf die beiden Erdbeben von 1905 nicht fehlen, die wir näher untersuchen. Mit nur zwei Wochen Abstand gab es hier zwei Beben mit Magnituden über, bzw. nahe acht, deren beindruckende Oberflächenrupturen über 300 km weit zu verfolgen sind. Beides waren größtenteils Blattverschiebungen mit mehreren Metern Versatz. Obwohl bereits 109 Jahre vergangen sind, sind die Spuren unglaublich gut erhalten und es gibt genug zu tun für ein weitere Jahre.

Ulan Bator

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