Viamala Schlucht

von | 17. Mai 2018 | Reiseberichte, Schweiz

Via Spluga in drei Tagen

Wandern in der Gruppe macht ja mehr Spaß. Geteiltes Leid ist halbes Leid usw. Soweit die Theorie. In der Praxis haben wir das dieses Jahr ausprobiert. Und als outdoorgestählte Reisejournalisten haben wir uns im Hochsommer die Via Spluga mit Highlights wie der Via Mala Schlucht und dem Splügen-Pass vorgenommen. Petra von Graubünden Ferien rief und wir folgten gern. Wir fünf, das sind: Daniela, Jessi, Andreas, Milos und ich. Wir haben uns schon im letzten Jahr kennengelernt und so war das Risiko Gruppenkoller nicht ganz so groß. Und wenn die Chefin so lieb einlädt, dann putzt man geschwind den Wanderschuh, flauscht nochmal den Trekkingsocken auf und legt den Trinksack ins Eisfach.

Tag1: von Thusis (720m nn) nach Splügen (1.457m nn)

Ausgangspunkt war, mit 30 Grad im Schatten, Thusis, das beschauliche Örtchen nördlich der Via Mala. Bei jedem Schritt durchs Dorf atmet man Speditionsgeschichte. Und das Beste ist: Es ist spannend!

ViaSpluga-Thusis-ViaMalaTou

Thusis liegt als spannendes Geschichtsörtchen nördlich der Viamala-Schlucht. Hier gibt es spannende Dinge zu Säumern und Kaufleuten beim Spaziergang zu erfahren. Bild: Stephan Kaufmann, Viamala Tourismus.

Säumen auf der Via Spluga

Alles begann mit dem Viamalbrief in 1473. Da regelten alle Beteiligten, dass man sich fortan nicht mehr darauf fokussierte gegeneinander Krieg zu führen sondern den Weg durch die Via Mala in Schuss zu halten. So entwickelte sich der Ort zu einer wichtigen Anlaufstelle zwischen Chur (Schweiz) und Chiavenna (Italien). Diese Route über den Splügenpass war damals die kürzeste Verbindung zwischen den beiden Orten und so eine der wichtigsten Handelsrouten.

Der Spediteur damals hieß Säumer und der führte die Saumtiere, Pferde. Das alles führte zu regen Betrieb auf der Strecke. Und an Orten wie Thusis standen zeitweise bis zu 400 Pferde bereit, es gab 20 Bäckereien, 40 Warenhäuser und zwölf Wirtshäuser. Das bunte, anstrengende und gefährliche Säumergeschäft fand streng organisiert im Winter statt. Im Sommer war der Säumer im Hauptberuf Bauer und musste seine Felder bestellen. Da blieb nur der Winter.
Wer, wann, was wohin zu transportieren hatte war bis ins Detail durchorganisiert und wer eine Tour schwänzte, der wurde aus dem Business ausgeschlossen. So war das damals.

Und heute? Keiner geht die Strecke mehr ohne Vibram-Sohle, Wanderhosen mit Vier-Wege-Stretch (Minimum) und ergonomisch angepassten Rucksäcken. Damals gab es warmen und schweren Wollloden, Steigeisen waren grob bis gar nicht vorhanden und vor allem, der Weg war nicht gesichert. Also, wenn die das damals ohne alles geschafft haben, im Winter mit Schnee, Eis und Pferden werden wir das doch wohl bei Sonnenschein mit bester Ausrüstung und ohne Pferde doch wohl auch hinbekommen? Natürlich!

Reisen bildet

Geschichtlich gefestigt ging es so zum Abendessen, denn wer gut wandert muss auch gut essen. Nachdem unser Food Fotograf die gedeckte Tafel für die Nachwelt dokumentiert hatte, konnten wir uns auch setzen und schon mal ein Getränk ordern. Das regt ja die Galle an und sorgt für eine gute Verdauung. Die Nährstoffe müssen ja schnell dahin, wo wir sie am nächsten Tag brauchen. Um früh zu starten ging es auch früh ins Bett.

Am nächsten Morgen genossen die meisten von uns den Frühstücksbuffet-Service im Hotel Weiss Kreuz. Eier werden roh (!!!) bereitgelegt und können im direkt daneben platzierten Eierkocher individuell gegart werden. Nicht allen war dieser Servicegedanke geläufig aber dafür der Spaß am Tisch dann umso größer. Habt ihr schon mal versucht ein rohes Ei schwungvoll zu „köpfen“? Aber da sind wir ja Kumpel und dokumentierten das Glück ja sofort digital für die Daheimgebliebenen. So begann der Tag auch gleich mit einem „Wieder was gelernt“ und „Reisen bildet“.

Wir hatten das Paket „mit Gepäcktransport“ gebucht. Das ist super praktisch. Einfach bei der Abreise den Koffer an die Rezeption stellen, das Hang-Tag gut sichtbar drapieren und mit leichtem Tagesgepäck loswandern. Die Hoffnung den Koffer am Abend wiederzubekommen wandert mit.

Forsch voran lief Giovanni, der turbofitte Ü50er, unser ViaSpluga Guide. Also war alles bestens organisiert. Das Gepäck fährt vor und der Guide kennt den Weg. Somit konnten wir uns auf die Strecke, die Aussicht und dumme Sprüche konzentrieren. Wir kannten uns ja schon vom letzten Jahr.

2015-ViaSpluga-Via Mala-HohenRätien

Erste Station auf der Via Spluga ist Burg Hohen Rätien. Die Burgruine wacht samt Kapelle über den Eingang zur Viamala-Schlucht.

Burg Hohen Rätien und Traversinersteg

Zuerst stapften wir zum Hohen Rätien. Die Burg thront über dem Eingang zur Via Mala Schlucht und bietet neben einer Kapelle auch einen hervorragenden Ausblick über das Tal. Darüber hinaus gab es auch Kirschbäume. Da hat der Wegarchitekt der Via Spluga schon mitgedacht. War bestimmt ein Schweizer. Ein weiteres Mal folgten wir dem Belohnungsprinzip, wer gut wandert muss auch gut essen.

Danach ging es über einen schattigen Waldweg weiter Richtung Traversinersteg. Das ist die Poster-Marketinghängebrücke von Graubünden. Da wir ja alle Kamerabewehrt waren, mussten wir auf den großen Berg der bereits gemachten Bilder gleich noch ein paar drauflegen. Aber, ein super Motiv, das die Wanderung lohnt. Außerdem haben wir vor der Brücke gleich unsere Mittagspause im Schatten gemacht. Denn wie heißt es so schön: Wer gut wandert muss auch gut essen.

Da es mittlerweile auch schon wieder recht heiß geworden ist mussten wir vor allem auch gut trinken. Ein weiterer Service-Paket-Bestandteil ist das Lunchpaket, das wir alle am Morgen vom Hotel mitbekommen hatten. Sortiert nach Outdoortester, Vegetarier und Lacto-Intollerant. Ob das Hotel auch hallal und koscher kann, haben wir nicht gefragt.

ViaSpluga-Brücke-Hängebrücke

Die Hängebrücke gibt es in praller Mittagssonne. Darum wander ich lieber im Herbst, da ist das Licht schöner.

Weiter Richtung Via Mala Schlucht

Frisch gestärkt ging es über die Brücke zum Fotoshooting und weiter Richtung Schlucht. Ein paar tausend Schritte später und plötzlich, hinter einer Wegbiegung: Eine Straße und das nietnagelneue Besucherzentrum der ViaMala-Schlucht. Kantiger Sichtbeton mit klaren Linien und ohne Schischi-Püh. So mag ich Architektur. Die robuste Decke musste auch so groß dimensioniert sein, damit sie im Winter Lawinen trotzen kann. Bei über 30 Grad im Schatten war heute mit keiner Lawine zu rechnen und so gingen wir beruhigt ins Besucherzentrum hinein. Hier wurden wir schon erwartet und gleich auf der Besucherterrasse platziert. Bester Sonnenschein und beste Aussicht auf die Schlucht bei besten Temperaturen. Outdoortester-Herz was willst Du mehr? Kaum hatte sich diese Frage in meinem Hirn manifestiert wurde sie auch gleich vom Chef des Besucherzentrums beantwortet: Mit einer Platte Bündnerfleisch. In diesem Moment mochte ich meine vegetarischen Mitwanderer gleich doppelt so gern. Denn, wer gut wandert muss auch gut essen.

Mit neuer Energie versorgt ging es dann hinab in die Schlucht. OK, das klingt jetzt dramatischer als es ist. Es gibt gut ausgebaute Treppen mit Handlauf und hier geht kein Tourist verloren. Dafür war es wunderbar kühl und schattig und auf reichlichen Schautafeln gab es viel über die Schlucht und die Geschichte zu lernen. Wer Hoffnung hatte, ans Wasser zu dürfen wurde aber trotzdem enttäuscht. Hier geht die Sicherheit vor und wir blieben hinter dem Geländer.
Ein Highlight ist der Event Via Mala Notte. Die Schlucht wird bei Nacht beschritten und der Guide präsentiert in Gewand mit Laterne dem Gast die Geschichte der Schlucht. Entertainment mit kleinem Gänsehautfaktor.

Nach dem Fotoausflug in die Via Mala Schlucht haben wir verbrauchte Energie noch schnell mit einem Eis aufgefüllt und haben mal informativ über die Souvenierabteilung geschaut. Dabei kann man heute gar nicht mehr Vorsichtig genug sein …

ViaSpluga-Via Mala

Viamala Besucherzentrum, die Souveniertheke … Aber bei der Schreibweise aufpassen!

Wanderziel Zillis

So, aber nun musste noch ein wenig gewandert werden. Der Weg wurde steiler und jetzt kamen wohl alle noch nicht aufgebrauchten Höhenmeter des Tages auf einmal. Außerdem ist es noch heißer geworden. Das Funktionsshirt tat was es konnte aber irgendwann war auch der letzte soeben getrunkene Tropfen Wasser wieder ausgeschwitzt. Ein Hoch auf die Trinksäcke, so kann man den Körper immer leicht nachfüllen. Am Schlauch nukkelnd stapfte ich so fröhlich schwitzend den steilen Waldweg hinauf.
Eigentlich war die Gegend sehr idyllisch. Waldwege, Bergpanorama, grüne Wiesen und malerische Dörfer mit blühender Blumenpracht. Aber die Sonne brannte unerbittlich vom eidgenössischen Himmel auf uns herab und meine Mütze war auch schon durchgeschwitzt. Leider war das hier Arbeit im Sinne des interessierten Lesers, denn Urlaub war definitiv die falsche Bezeichnung für diese alpine Schinderei. Aber auch wenn der Redakteurs-Kopf nicht mehr möchte, der Körper läuft einfach weiter. Allerdings halluzinierten wir schon kaltes Radler, das hier in der Gegend Panache heisst, am Horizont. Und bis dahin waren es noch ein paar Schritte. Aber endlich in Zillis angekommen führte uns der Weg schließlich ins Gasthaus „Alte Post“. Hier auf der Sonnenterrasse orderten wir Kaltgetränke und ignorierten den Vorschlag unserer Chefin, bis nach Splügen noch ca. zwei Stunden wandern zu können. Warum sagt sie sowas? Der Postbus ist doch klimatisiert und braucht nur 20 Minuten bis zum Tagesziel. Unverständlich… In Zukunft müssen wir darauf achten, dass die Chefin auch immer genug trinkt!

Der Postbus wurde schließlich mit einer innerlichen Laola begrüßt und um die infernale Freude nochmal zu steigern, gab es im Hotel Bodenhaus in Splügen sogar ein Schwimmbad. Und wer die Bademäntel sucht, die befinden sich auf dem Zimmer. Damit ihr nicht so lange suchen müsst, wie ich …

Die geschundenen Muskeln entspannt, frisch geduscht und aus dem bereits wartenden Koffer die Abendgarnitur hervorgeholt ging es so mit frohen Schritten gen Abendessen. Denn, wer gut wandert muss auch gut essen.

Einkaufstipps von rockntrail

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