Seit 1968 und somit einer der ältesten Laufveranstaltungen Deutschlands wird nun schon der Marathon in Bräunlingen ausgetragen. Einst war er der größte Marathon des Landes und auch der erste an dem Frauen offiziell starten durften. Doch dann kamen all die Mega-City-Events und der Marathon im Schwarzwald wurde eine Randveranstaltung. Zum Glück könnte man meinen, denn diese Massenaufläufe wie in Berlin brauchen nur die wenigsten. Traurig aber für den Veranstalter, der sich jedes Jahr mit sinkenden Teilnehmerzahlen zu arrangieren hat, denn die professionellen Laufveranstalter haben nun auch noch dieses Wochenende in Herbst für sich entdeckt.

Familiärer Marathon

Ich liebe Bräunlingen. Kurze Wege. Herzlichkeit und man trifft sehr viele nette Lauffreunde. Nicht verschweigen darf man natürlich die leckere Linzer-Torte, die Martins Mutter, bei der wir uns vor und nach dem Lauf immer treffen für die Läufer bäckt. Ich habe mich zwar in diesem Jahr wieder nicht an die lange Distanz gewagt, Berlin war einfach zu kurz vorher, dafür sollte die Halbstrecke wieder einmal zum Vollgas-Laufen einladen.

Und so sollte es auch kommen. Mit Manfred Rainer habe ich mich kurz vor dem Start getroffen und wir einigten uns spontan auf eine Zielzeit von 1:35h. Dass ich auch noch darunter geblieben bin lag auch an der fantastischen Strecke, die mindestens zu 50% über Waldwege führt und auch ein gutes Auf und Ab beinhaltet.

Zeitabsprachen und geistiger Beistand

Der Lauf startet um 10Uhr. Als wir uns in die Startblöcke einreihen werden wir noch freundlich von einem anderen Athleten hingewiesen, dass wir uns im Block B befinden mit einer Zielzeit von 1:45h. Alles prima, da könnten wir ja noch einige Läufer überholen, wenn wir auf 1:35h laufen wollen, denken wir uns. Wie üblich wünsche ich allen einen schönen Lauf und viel Spass und schon geht es los. Gleich nach der zweiten Kurve durch die Stadt steht der Pastor mit seine Ministranten vor der Kirche und segnet die Läufer. Ein tolle Ritual, nun haben wir auch noch den geistigen Beistand für einen gesunden und guten Lauf. bei Kilometer zwei dann stehen die ehemaligen Sieger des Marathons am Streckenrand. Ich klatsche kurz mit Peter Reiher ab, der hier schon 2:20h gelaufen ist. Danach konzentriere ich mich voll auf den Lauf. Ich fühle mich gut und gemeinsam mit Manfred pflügen wir durchs Feld immer weiter nach vorne.

So langsam beginnen die ersten kurzen Anstiege, genau mein Terrain. Manfred muss nach fünf Kilometern abreissen lassen. Das Tempo ist etwas zu hoch für ihn, er kommt aber mit fantastischen 1:38h ins Ziel. Ich laufe unbeirrt weiter. Kilometer sieben, Martin steht an der Seite. Ich reiche ihm meine Armlinge. Inzwischen wird es mir richtig warm. Noch 4 Kilometer nach oben bis zum höchsten Punkt der Strecke. Kurz hege ich den Gedanken, dass ich eventuell etwas zu schnell bin, verwerfe es aber gleich wieder. Vor sind nun zwei Radfahrer. erst in Ziel realisiere ich, dass es die Begleiter der drittbesten Frau sein sollten. Ich ziehe bei Kilometer neun vorbei. Noch unter einer Stunde erreiche ich den höchsten Punkt, jetzt geht es steil bergab. Vollgas – einfach laufen lassen um keine Energie zu verschwenden. Bei Kilometer 13 ist es dann für meine Hände auch zu warm und ich werfe meine Handschuhe weg. Jetzt geht es nur noch bergab, fast. Ich pendle mich auf einen Schnitt von knapp über vier Minuten pro Kilometer ein. Vor mir läuft eine Siebenergruppe. Ich bleibe dran.

Wenn keiner wartet, lauf ich halt zu

Bei Kilometer 17 wollte Martin nochmal stehen. Ich sehe ihn nicht, vermutlich bin ich zu schnell. Die Gruppe vor mir zerfällt. Laufen die die anderen schneller oder müssen welche abreissen lassen. Schnell stelle ich fest, dass ich an der Gruppe bleiben muss und kann. Auf den letzten Kilometern sehe ich den Kirchturm von Bräunlingen. Nun ist es nicht mehr weit. Ich bin ausgelaugt, mobilisiere die letzten Kräfte. Berlin, Transalpine und all die anderen Läufe stecken in den Knochen, beflügeln mich aber. Wir sind wieder in Bräunlingen. Der letzte Kilometer. Ein Schlussspurt geht heute nicht mehr. Tempo halten ist die Devise. Mit 1:33:50h laufe ich durchs Ziel. Eine Minute später kommt die drittbeste Frau ins Ziel.

Bestzeit in Bräunlingen, wieder mal und ich bin 5 in Worten FÜNF Minuten schneller. Es reicht zum 70. Platz in der Gesamtwertung und zum 16. in meiner Altersklasse. Bei der Siegerehrung schau ich dann aber etwas ungläubig nach oben. In der AK M75 ist der Sieger 1:41h gelaufen. Respekt. Ich ziehe den Hut vor dieser Leistung.

Unsere gesamte Gruppe hat gefinished. Alle mit super Zeiten. Christine Merkt hat sich über die volle Distanz gewagt. Als ich sie bei Kilometer 38 ein paar Schritte begleite wirkt sie extrem entspannt und gut gelaunt. 3:49h.

Bräunlingen ist immer ein Reise wert. Ein familiärer Lauf mit trotzdem fast 2.000 Startern in allen Wettbewerben. Ich liebe kleine Events. Nochmehr, wenn sie nicht nur über Asphalt gehen. Nächstes Jahr komme ich wieder, versprochen!

Carsten

Carsten

Carsten Reichel ist passionierter Trailrunner. Seit mehreren Jahren hat er die Straßenschuhe gegen Trailrunningschuhe getauscht. Inzwischen sind es lange Distanzen oder Mehrtages-Rennen, wo Carsten Reichel anzutreffen ist. Carsten läuft für das Thoni Mara Team.

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